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Vergoldete Silberplakette, wohl Italien, 19. Jahrhundert

Silber, vergoldet,

Maße: 14,1 x 10,6 cm

 

 

 

Im Zentrum des hochrechteckigen, meisterhaft ausgeführten Reliefs thront Maria mit dem Jesusknaben umgeben von Heiligen. Der Hintergrund der Szenerie ist nach dem Vorbild der Malereien der damals gerade in Rom entdeckten Domus Aurea des Nero dekoriert. Auch der Thron von Maria weist antikisierende Details auf; so sind die unteren Seiten mit geflügelten weiblichen Sphingen und der Sockel mit einem Relief eines Stieres vor dem Opferaltar geschmückt. Flankiert wird der Marienthron links von dem Heiligen Georg, der mit einer prachtvollen Rüstung im Stil eines römischen Imperators wiedergegeben ist. Rechts ist der heilige Sebastian nach dem antiken Schönheitsideal nur mit einem Lendenschurz bekleidet.

 

Die Plakette wurde nach einem Relief gefertigt, das um 1510 in Rom entstand und die Signatur „Moderno“ eines bis dato nicht identifizierten Meisters trägt. Das originale Silberrelief schmückte einst mit weiteren Arbeiten dieses Meisters einen Kabinettschrank, in dem der venezianische Kardinal, Sammler von Antiken und Kunstmäzen Domenico Grimani (1461-1523) seine Kameensammlung aufbewahrte.

Bei der Anfertigung der überaus qualitätvollen Kopie wurde ausschließlich die Nacktheit des heiligen Sebastian durch die Hinzufügung des Lendenschurzes dem damaligen Zeitgeschmack „züchtig“ verhüllt.

Diese Palette war im April 2011 ausgestellt im Museo Diocesano delle Religiosiatà die Monti Aurunci in Gaeta. Der Katalog zu dieser Ausstellung trägt den Titel Pax Tibi, Mostra Paci Liturgiche XVI-XVIII sec. Die Palette wurde dort als „Mantua, Schule des Mantegna (XV. Jh.) beschrieben.

Literatur:

  1. Gasparotto, in: Ausstellungskatalog Mantula 2008, Kat.-Nr.: VIII.4; C. Kryza-Gersch, in: S. Haag, A. Wieczorek (Hgg.), Sammeln! Die Kunstkammer des Kaisers in Wien, Ausstellungskatalog Mannheim, München/London/New York 2012, 120-121:II.34.

Zu dem Künstler und dessen Umkreis vgl. a.:

Koller Zürich, Auktion A136 Möbel und Dekoration, 22. März 2006, Lot 1013 (Bronzepalkette „Pieta“, Venedig, um 1600).

Ausgestellt und publiziert: Museo Diocesano Gaeta, “Pax Tibi, Mostra Paci Liturgiche XVI-XVIII sec.”, April 2011, 47-48.